Aussiedoodle, Jagdinstinkt und Impulskontrolle

Genetische Disposition des Aussiedoodle 

Der Australian Shepherd ist ein Hütehund. Hütehunde reagieren auf jegliche Art von Bewegungsreizen -schließlich müssen sie die Bewegung einer Herde oder einzelner Tiere steuern und kontrollieren. Er ist zudem wachsam und es entgeht ihm nichts. Über viele Generationen wurde diese Veranlagung züchterisch selektiert und genetisch herausgearbeitet.

Der Pudel gilt heute zwar vorrangig als intelligenter Gesellschafts- und Begleithund, wurde ursprünglich aber für die Wasserjagd gezüchtet (Enten, Gänse). Daher stammt auch die sogenannte Löwenschur: Hinterhand und Becken kahl geschorenen, damit das Fell beim Schwimmen nicht stört, Brust und Kopf mit dichter Mähne, um Herz und Lunge vor Kälte zu schützen. 

Die Löwenschur war bis in die 1980er Jahre Standard auf Ausstellungen

Der Aussiedoodle ist somit ein Mix aus Hüte- und Jagdhund und prädestiniert dafür, auf schnelle Bewegungsreize zu reagieren. Das gilt für fliegende Blätter, Vögel und Wildtiere ebenso wie für rennende Kinder, Jogger, Autos und Fahrradfahrer. Woher auch sollte der Hund das unterscheiden können? Alles bewegt sich schnell und von ihm weg – also nix wie hinterher!

Rennen ist eine seiner Lieblingsbeschäftigung und ein Aussiedoodle kann sehr schnell sein!

Sozialisation und Erziehung zur Impulskontrolle

Meist finden wir es bei Welpen recht putzig und herzallerliebst, wenn dieser einem fliegenden Papierfetzen oder dem Herbstlaub hinterherflitzt. Ebenso beliebt sind Wurf- und Ballspiele – je weiter, desto besser (die Spielzeugindustrie bietet hier auch für mäßig begabte Werfer hinreichend Unterstützung durch verschiedene Schleuder- oder Wurfmethoden). So lernt der Hund von klein an: es macht unglaublich viel Spaß, von meinem Menschen wegzulaufen und wenn etwas sich schnell von mir wegbewegt (und dann auch noch hüpft und springt), dann soll/muss/darf ich hinterher. Und das macht einfach irre viel Spaß, ist somit selbstbelohnend! Und der Aussiedoodle lernt extrem schnell!

Woher soll ein (junger) Hund den Unterschied zwischen einem fliegenden Ball und einem davonfliegenden Vogel, einem hüpfenden Ball und einem Haken schlagenden Hasen, einem ausbrechenden Schaf aus der Herde oder einem vorbeirennenden Kind erkennen? Aus Hundesicht ist das alles gleich!

Wer als persönliches Ziel einen entspannten, nicht-jagenden erwachsenen Vierbeiner vor Augen hat, tut gut daran, vom ersten Tag an darauf hinzuarbeiten, dass sein Aussiedoodle-Welpe Bewegungsreize auszuhalten lernt, nicht reflexartig darauf reagiert und ihr gemeinsam und gezielt seine Impulskontrolle trainiert.

Tägliche Impulskontrolle im Zusammenleben mit einer Katze, die eher flieht als angreift.

Wie lässt sich das praktisch umsetzen? Man sollte seinen Aussiedoodle vom ersten Tag an mit Bewegungsreizen konfrontieren – jedoch immer sicherstellen, dass er dem Reiz nicht hinterher kann. Bei uns war das im Zusammenleben mit einer Katze unabdingbar – im Zweifel wurde der Hund auch mal mit einer Hausleine gesichert! Zudem sind wir gezielt an Kindergärten, Schulhöfen und Spielplätzen vorbeigelaufen – immer an der Leine und mit so viel Abstand, dass sie alles genau beobachten konnte, bei uns aber stets Ruhe und Sicherheit fand. Mit der Zeit können die Entfernungen reduziert werden. Wichtig ist, dass der Welpe genug Zeit zur Reizverarbeitung bekommt. Je aufgeregter er ist, desto mehr Ruhe von seinem Menschen ist nötig und desto länger die Verarbeitungszeit.

Gezielte Begegnung mit Schwänen ohne Jagd- oder Hetzerfolg (Welpenalter)

Bei uns gehörte die tägliche Sichtung von Enten, Möwen, Gänsen und Schwänen am See (gesichert an der Leine) zum Alltag. Zudem haben wir jede Gelegenheit gesucht, sie mit anderen Tieren und neuen Situationen in Kontakt zu bringen – ein Besuch auf dem Bauernhof etwa, oder im Urlaub auch mal ein Alpaka.

Alpakas am Urlaubsort – große Neugier auf beiden Seiten

Entspanntes gemeinsames Beobachten ist ausdrücklich erwünscht, jede Art von visueller Fixierung, Muskelanspannung, Anschleichen, Losspringen etc. wird allerdings mit einem eindeutigen Abbruchsignal im Keim erstickt. No way! Not your job! Erst wenn er gar nicht mehr auf den Reiz reagiert, darf der Hund von der Leine. So gibt es erst gar keine Chance auf eine selbstbelohnende Jagderfahrung.

Aktive Führung im Alltag

Ein zweiter, wichtiger Aspekt zur Kontrolle des Jagdtriebes ist die aktive Führung des Hundes durch den Menschen. Dazu werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag schreiben. Beim Thema Jagd ist dies insofern bedeutsam, da in intakten sozialen Gemeinschaften stets der Höherrangige die Entscheidung zum Jagen trifft. In einem wild lebenden Rudel wäre dies die Leithündin. Keiner der rangniedrigeren Mitglieder käme auf die Idee, einfach loszustürmen. Der Erfolg einer Jagd und damit das Wohl der Gruppe ist abhängig von Erfahrung und den richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit. Ein junger Hund hat diese keinesfalls.

Hier üben Kinder, stehenzubleiben, wenn ein Hund kommt. Paula darf (auf Kommando) die Kinder „fangen“

Ausgleich: Teamarbeit

Der Aussiedoodle ist zweifelsohne sehr agil, arbeitswillig und intelligent. Wenn wir ihm auf der einen Seite seine Impulse kontrollieren, braucht er an anderer Stelle einen Ausgleich. Dazu eignet sich etwa gezieltes Dummytraining. Dabei lernt der Hund nicht nur Impulskontrolle, sondern auch die Kooperation mit seinem Menschen. Wir beide haben dabei jedenfalls sehr viel Spaß.

Freies Dummytraining unterwegs – Dummy verstecken und zurückbringen oder auch werfen und erst auf Kommando apportieren.

Trainingsziel: Entspannter Alltag mit Hund

Wenn man diese drei großen Zusammenhänge – Impulskontrolle, Führung,Teamarbeit – bei der Sozialisation und Erziehung seines Aussiedoodles im Hinterkopf behält, sollte unerwünschtes Jagdverhalten kein Problem sein. Wie das bei uns heute aussieht, sehr Ihr in folgendem Video.

Wildbegegnung am See

Sehr gut zu erkennen ist die zwar aufmerksame Körperhaltung und das mehrfache visuelle „Abfragen“ bei mir, ob wir nun jagen oder nicht. Insgesamt ist Paula aber recht entspannt und hat zu keiner Zeit den Impuls, sich den Gänsen zu nähern.

Auf einem unserer letzten Spaziergänge lief Paula etwa 10 m hinter mir ohne Leine, als plötzlich wie aus dem Nichts vier kleine Kinder (ca. 5 Jahre) von der Seite aus einer Einfahrt auf sie zu rannten. Diese spielten Fangen und hatten den Hund gar nicht wahrgenommen. Nach der ersten Schrecksekunde reagierte ich umgehend mit meinem scharfen „Lass das!“ – die Kids waren ca. noch 5 m entfernt. Und Paula wendete sich einfach ab und kam zu mir! Das hat selbst mich total überrascht 👏🏻🎉👏🏻

Wer jetzt allerdings glaubt, bei seinem erwachsenen Hund kann er eh nichts mehr machen, der irrt gewaltig! Unsere Hunde leben im Hier und Jetzt! Sie akzeptieren auch neue Regeln sofern diese klar und überzeugend eingeführt und nachgehalten werden. Der Weg kann allerdings etwas länger dauern – je nach Persönlichkeit des Hundes. Bleibt dran, es lohnt sich!

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