Keilerei auf der Hundewiese oder: Warum manche Menschen keinen Hund halten sollten!

Im Bezug auf Hundebegegnungen gehöre ich ja zu den eher entspannten Zeitgenossen. Bei Frauchen darf ich daher fast ĂŒberall (wo kein Verkehr ist) ohne Leine laufen und muss dennoch nicht jedem Artgenossen „Hallo“ sagen.

Kommt uns ein Hund entgegen, bleib ich stehen (oder leg mich ab) und schau mir das GegenĂŒber erst mal ganz genau an. Klar wird erst mal ausgiebig geschnĂŒffelt, kommuniziert, abgecheckt, wie der andere so tickt, dann geht meist jeder wieder seiner Wege – ganz gechillt also! Wer mich schon von Ferne anpöbelt, dem geh ich aus dem Weg, da hab ich ĂŒberhaupt keine Lust drauf. Manchmal lass ich mich auch auf ein kleines Spielchen ein (vor allem bei Pudel oder Doodeln). Frauchen sagt, ich sei sozial sehr kompetent – was immer das heißt.

Heute hatten wir allerdings ein Erlebnis der ganz besonderen Art – meine erste richtige Keilerei! đŸ˜±Â Bei absolutem Wintertraumwetter saß Frauchen mit mir ganz entspannt am See in der Sonne. Ich blieb in ihrer NĂ€he, schaute den weiter entfernt tobenden Hunden zu und ließ mir relaxed die Sonne auf den Pelz scheinen.

Da tauchte plötzlich eine Frau im schwarzen Wintermantel auf, die mir gleich merkwĂŒrdig vorkam. Sie schaute mich so auffordernd an. Ich lief auf sie zu und wuffte sie zwei mal leise an: „Was willst du von mir?“ Sie fuchtelte weiter mit den Armen in Frauchens Richtung und als ich mich umschaute, sah ich, dass ihr eigener Hund direkt vor meinem Frauchen stand. Die Dame faselte wĂ€hrenddessen was von „miteinander spielen“….. 🙈

Ich hab natĂŒrlich gleich abgedreht, um zu checken, wer da so frech direkt bei meinem Lieblingsmenschen steht und sich dabei auch noch so aufplustert. Es war eine schwarz-braune MischlingshĂŒndin – etwas grĂ¶ĂŸer und vermutlich auch Ă€lter als ich – im dicken Wintermantel, die so ganz und gar nicht in Spiellaune war. Je weiter ich auf sie zukam, desto deutlicher wurde ihr Imponiergehabe: durchgedrĂŒckte, steife Beine, angespannte Muskulatur, Kopf hoch erhoben, Rute senkrecht aufgerichtet, den Blick direkt auf mir! HĂ€tte sie keinen Mantel getragen, wĂ€re auch das aufgestellte Nacken- und RĂŒckenfell zu sehen gewesen. Alles an ihr sagte mehr als deutlich: „Wehe, du kommst mir zu nahe, dann kannst du was erleben!“

Ich hab sofort kapiert, was los ist und nĂ€herte mich ihr ganz langsam, um sie nicht unnötig zu reizen. Dicht vor ihr blieb ich – ebenfalls aufgerichtet – stehen. Ich bin zwar im Prinzip ein freundlicher Doodle, in diesem Fall war sie jedoch ungefragt in den unmittelbaren Dunstkreis meines Rudels eingedrungen und ich war auf dem Weg zurĂŒck zu meinem Ruheplatz! Ihr Frauchen hingegen stand mindestens 6 Meter weiter entfernt. Die HĂŒndin hatte sich von hinten angeschlichen und machte keinerlei Anstalten mir gegenĂŒber Beschwichtigung oder Demut zu signalisieren. Als ich fast in T-Stellung vor ihr stand, mein Kopf direkt auf ihrer Höhe – trennten unsere Nasen nur wenige Millimeter. Die Luft zwischen uns flirrte! Wer micht kennt, weiss, dass ich zwar nicht besonders heftig und laut, aber ungemein beharrlich bin – ich hielt diesem Druck also problemlos und innerlich gelassen stand. Das kann ich wirklich gut! 😉

Frauchen saß telefonierend daneben und beobachtete uns sehr aufmerksam, aber cool. Sie vertraut mir in solchen Momenten! Es dauerte einige Sekunden, bis die HĂŒndin ihren Kopf schließlich wenige Millimeter herunternahm, diesen gaanz langsam von mir abwendete und einmal zĂŒngelte. Das war fĂŒr mich das Signal, sie freizugeben und die Spannung etwas rauszunehmen – ich hatte mich behauptet, sie hatte dies klaglos anerkannt. Sie bewegte sich ein, zwei Schritte in Richtung ihres Frauchens, war allerdings noch sehr angespannt. Mit einem kurzen, ruckartigen Bewegungsimpuls in ihre Richtung machte ich klar, dass sie noch zu viel Energie in der Bewegung hatte. Sie hielt kurz inne, nahm sich noch etwas mehr zurĂŒck und entfernte sich in Zeitlupe. FĂŒr uns Hunde war die Situation wunderbar gelöst. Wir hatten den Konkflikt um den Raum nach allen hĂŒndischen Regeln der Kunst kommunikativ geklĂ€rt, ich habe mich als die mental StĂ€rkere qualifiziert und sie hat dies anerkannt. Soweit so gut!

Alles hĂ€tte so schön sein können, wĂ€re da nicht das andere Frauchen gewesen. Sagt die doch glatt zu uns: „Schau, Ihre HĂŒndin möchte spielen!“ Sie hatte meinen ruckartigen Bewegungsimpuls am Ende völlig missverstanden! đŸ˜± Mein Frauchen entgegnete noch: „Nein, die möchte nicht spielen!“, aber da war es schon zu spĂ€t! Die fremde Frau begann aufgeregt herumzuhĂŒpfen und ihre HĂŒndin auffordernd auf mich zuzuscheuchen: „Na los, nun spiel doch mal!“

Der bedauernswerten HĂŒndin blieb nichts anderes ĂŒbrig, als sich provokant in dem hohen Energielevel, den ihr die Frau körpersprachlich diktierte, wieder in „meinen“ Raum zu bewegen und damit das gerade friedlich vereinbarte Abkommen zu untergraben! Es kam, wie es kommen musste: In Nullkommanix waren wir beide in eine sehr laute, sehr heftige Keilerei verwickelt, die wir beide definitiv nicht gewollt hatten! Dabei standen wir uns in Nichts nach und erwiesen uns als absolut ebenbĂŒrtig. Ein turbulenter Schaukampf!

Die fremde Frau stand hilf- und ratlos und etwas betreten daneben. Mein Frauchen entfernte sich zĂŒgig vom Ort des Geschehens und rief mich ruhig zu sich. Damit gab sie den Rudelruheplatz auf und verschaffte uns Hunden und der Situation mehr Raum. Das wirkte entspannend und entzog uns zugleich die Konfliktgrundlage. Jede von uns trollte sich so schnell sie konnte – ich glaube beide gleichermaßen erleichtert.

Die andere Frau bemerkte erneut: „Die sollten doch spielen!“ Frauchen konnte sich nicht verkneifen, festzustellen, dass beide Hunde von Anfang an nicht spielen wollten und die Situation bereits zuvor sehr angespannt war. Wir sind dann einfach gegangen, denn In solchen Konstellationen sind Diskussionen erfahrungsgemĂ€ĂŸ sinnlos.

Manche Menschen sollten einfach besser ein PlĂŒschtier ausfĂŒhren! Die HĂŒndin tat mir irgendwie leid. Sie war nicht sehr souverĂ€n, sondern hat – entgegen besseren Wissens und Erfahrung – ihrem Frauchen alles Recht machen wollen. Sie hat deren Anordnung, sich mir mit situativ unangemessenem Energielevel erneut zu nĂ€hern artig befolgt. Damit stand fĂŒr sie die LoyalitĂ€t zu ihrem Menschen – der seinen eigenen Hund nicht mal ansatzweise „lesen“ kann – Â ĂŒber ihrem eigenen Wissen und ihrer körperlichen Unversehrtheit! Ja, so sind wir Hunde eben!

O.k., ich hab mich dabei nun auch nicht grad mit Ruhm bekleckert! Aber da Frauchen sich rausgehalten hat, war ich fest davon ĂŒberzeugt, fĂŒr unser Rudel und seinen Raum einstehen zu mĂŒssen 🙄. Einer muss das ja schließlich tun!