Mein Job als Lesehund

Einmal in der Woche zieht Frauchen mir mein knallrotes Lesehund-T├╝chlein um und packt die braune Tasche. Ich bin dann immer schon ganz aufgeregt, denn dann geht’s in die Grundschule zu meinen Lesekindern! Yuchhee!

Jeden Freitag besuchen wie die erste Klasse und arbeiten mit einigen Kindern, denen das Lesen noch schwer f├Ąllt. Daf├╝r richten wir in einem kleinen Materialraum eine gem├╝tliche L├╝mmelecke ein. Auf die gro├če Kuscheldecke passen au├čer mir noch ein Lesekind, Frauchen und jede Menge Materialien.

Sobald alles fertig ist, holen wir die Kinder nacheinander und einzeln aus dem Unterricht. Das ist manchmal ziemlich aufregend, denn nat├╝rlich sind in so ’ner Schule ganz viele Kinder und ein Hund im Schulhaus ist schon was besonderes! Viele kommen angerannt, wollen mich streicheln, stellen 1000 Fragen, jeder will zuerst. Manchmal muss Frauchen da ganz sch├Ân rabiat werden, denn wenn alle so um mich rumwuseln und durcheinander rufen und plappern, macht mir das Angst! Zum Gl├╝ck passt Frauchen gut auf mich auf und wenns sein muss, schnappt sie mich auch schon mal untern Arm und tr├Ągt mich aus dem Chaos raus in ruhigere Gefilde ­čśŁ.

Jedes meiner drei Lesekinder darf jeweils 20 Minuten mit mir arbeiten. Darauf sind sie m├Ąchtig stolz, denn am liebsten w├╝rden mir alle Kinder vorlesen! ┬áJe nachdem, wie gut das Kind schon liest, gibt es unterschiedliche Aufgaben: mal ein Buchstaben- oder Silbendomino, mal eine Wort-Bild-Zuordnung, eine kleine Geschichte oder auch ein Buchstaben-R├Ątsel.

Ich merke immer sehr schnell, wie jedes einzelne Kind so drauf ist. An manchen Tagen, wenn sie so gar nicht motiviert oder besonders unruhig sind, ist das f├╝r mich richtig anstrengend!┬áAn manchen Tagen sind die Kids aber auch total entspannt und fr├Âhlich, dann leg ich mich meist auf den R├╝cken, lass mir den Bauch kraulen und schau genau hin, was die so machen. Fehler find ich gar nicht schlimm – mir macht das gar nix aus! Und die Kinder lieben mich genau daf├╝r!

Am liebsten mag ich ja die Dominos, weil die bring ich so gern immer wieder durcheinander ­čĄú Manchmal mach ich mir auch nen Spa├č und klau eine der laminierten Karten. Damit bring ich die Jungs oft zum Lachen – und dann macht das Lernen gleich viel mehr Spa├č! Toll find ich nat├╝rlich auch die Aufgaben, in denen es um Hunde geht.

Heute ging es einem Jungen gar nicht gut. Er hatte Bauchweh! Da hab ich mich ganz nah zu ihm hingelegt und mich an ihn gedr├╝ckt. Ab und an hab ich ihm die Hand geleckt oder ihn mal vorsichtig mit der Nase angestupst. Er fand das richtig toll, hat jedesmal gel├Ąchelt und mir ganz zart und verliebt ├╝ber den Kopf gestreichelt. Sonst ist er meist sehr verschlossen und im Unterricht eher renitent. Mein Frauchen sagt, er ist wie eine verschlossene Muschel und ab und an gelingt es mir, diese einen kleinen Spalt zu ├Âffnen! Da drunter sp├╝r ich ein ganz zartes, verletzbares Wesen, dem es schwer f├Ąllt, mit der Au├čenwelt zu kommunizieren. Es ist sch├Ân, zu sehen, dass er mir sein Vertrauen schenkt.