Spende für unsere Lesekinder aus Afghanistan

Unter meinen Lesekindern, die ich wöchentlich in der Grundschule besuche, sind immer wieder auch einzelne, die aus Krisengebieten stammen, und hier in Deutschland eine zumindest temporäre Zuflucht gefunden haben. Sie haben es in der Schule besonders schwer. Sie lernen das Lesen in einer fremden Sprache und haben daheim oft kaum deutschsprachige Förderung oder Zugriff auf Lesematerial. Dabei sind gerade diese Kinder hochmotiviert und sprachlich oft sehr begabt. Viele lesen deutlich besser, als einige ihre deutschen Mitschüler.

Wenn ich die Mädchen anschaue, tragen sie oft tagelang dieselben Strumpfhosen, überall mehrfach gestopft, an den Füßen meist schwarz vom Laufen ohne Hausschuhe. Die Kleidung stammt aus dem Fundus der Tafel oder dem Sozialkaufhaus, oft etwas zu groß oder zu klein und immer etwas aus der Zeit gefallen. Die langen, dunklen, glänzenden Haare sind dennoch meist kunst- und liebevoll geflochten, die Hände mit Henna verziert, unübersehbarer Stolz ihrer Trägerinnen. Die fast schwarzen Augen leuchten herzlich und neugierig, freuen sich über jede Zuwendung und Aufmerksamkeit, die Gemüter sind fröhlich und kindlich geblieben und zugleich spüre ich die Schwere und das Leid, das sie in ihren jungen Jahren durch Krieg, Gewalt und Flucht schon haben erleben müssen.

Im letzten Schuljahr hat eines der Mädchen bei meinem Anblick unaufgefordert angefangen zu erzählen … Sie hatte in „ihrem“ Land auch Hunde gehabt, und Hühner und Katzen und Ziegen. Und dann kam der Krieg … und immer mehr ihrer Freunde gingen weg. Ihr Vater wollte auch fliehen, die Mutter aber wollte bleiben. Der Krieg kam jedoch immer näher und sie sind dann irgendwann alle zusammen geflohen … die Tiere mussten sie zurücklassen … welch eine grauenvolle Erfahrung für ein Kind, das zu der Zeit gerade mal 4-5 Jahre alt war. Als sie das erzählt, ist sie bereits zwei Jahre in Deutschland … spricht fließend Deutsch und besucht die zweite Klasse. Wieviele Menschen hören diesen Kindern eigentlich zu? Wer fragt sie, was ihre Seelen bewegt und belastet? Als Hund hab ich ja sehr feine Antennen und hab in diesem Moment all die Trauer, die Angst, die Sorge, die Verzweiflung gespürt, die eine solch überstürzte Flucht über tausende Kilometer in einer Kinderseele hinterlässt… Sie schaut mich an, während sie all dies leise erzählt, krault gedankenverloren mein weiches Fell und denkt voller Liebe an ihre eigenen Hunde, irgendwo mitten im Kriegsgebiet in Afghanistan …. in diesem Moment waren wir eins – das Kind, ihre Hunde und ich … vielleicht ein klitzekleines Stück Heilung und Versöhnung mit dem Schicksal? Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich als Lesehund hier aktiv sein und ihr zumindest etwas Zeit und eine positive Erinnerung an ihre Heimat schenken kann!

Ein anderes afghanisches Mädchen erzählt, dass sie zu Hause gar keine Bücher hat – weder deutsche noch afghanische! Als wir zusammen ein Würfel-Lesespiel machen, leuchten ihre Augen und sie lacht kindlich befreit und beglückt! Das, was für die meisten Kinder hier in Deutschland ganz normal ist – zu spielen -, ist für sie offenbar eine ganz besondere Erfahrung! Ist das nicht ziemlich ungerecht?

Dieser Moment hat Frauchen sehr berührt und noch einige Tage gedanklich und emotional weiterbeschäftigt. Und weil Sie im Verlagswesen arbeitet und dort sehr viele Menschen kennt, kam sie auf eine Idee! Sie hat einen privaten Spendenaufruf für Kinderbücher über ihr Bücherfrauen-Netzwerk verbreitet! In diesem Verband sind Autorinnen, Buchhändlerinnen, Verlegerinnen und viele andere Frauen, die in Verlagen arbeiten oder an der Entstehung von Büchern beteiligt sind, zusammengeschlossen. Und all diese Kolleginnen sitzen im Bezug auf Bücher direkt an der Quelle!

Ein bunter Reigen an Erstlesebüchern 🎉

Viele Kolleginnen reagierten mit der sofortigen Zusage, ihre Regale zu durchforsten. Das hat uns schon mal sehr gefreut! Und heute kam tatsächlich ein erstes Päckchen mit lauter bunten Büchern für Erstleser bei uns an!! Ganz herzlichen Dank dafür an die liebe Kollegin Ulrike Buergel-Goodwin aus München (ehem. Programmleiterin bei dtv und Piper). Die Kinder werden sich sicher sehr freuen! Und die Bücher kommen sicherlich genau an die richtigen Stelle! Ich freu mich schon riesig darauf, sie den Kindern am Mittwoch zu überreichen!

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