Tierische Begegnung – bin ich wirklich ein halber HĂŒtehund?

Als Aussiedoodle bin ich auf dem Papier zumindest zu 50% ein HĂŒtehund. Die Rasse Australian Shepherds wurde ursprĂŒnglich zum RinderhĂŒten gezĂŒchtet – furchtlos, reaktionsschnell, arbeitsfreudig, will-to-please, hartnĂ€ckig und nicht sonderlich zimperlich. Soweit die Theorie 🙈

KĂŒhe find ich ja nun eher bissl gruselig, da halt ich ganz gern mal Abstand oder lass sie links liegen – zumindest wenn die in der Mehrzahl sind.

Ganz schön groß die Viecher!
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Agility for fun – September

Nach lĂ€ngerer Pause hab ich Frauchen heut mal wieder ĂŒber den Platz gescheucht! 🙈

https://youtu.be/K0DEGWi1lIc

Bis auf einen FĂŒhrungsfehler am Tunnel und einen Lauffehler am Ende hat sie sich ganz ordentlich angestellt – das wird schon noch!

Agility find ich einfach Klasse und hab dabei nen riesigen Spaß 😊

Trickdogging – Hinterhandstand

Pudel haben nicht nur die Besonderheit, nicht zu haaren, sie agieren auch sehr pfotenlastig. Dem trĂ€gt die physiologische Besonderheit Rechnung, dass sie eine extrem gute und starke Hinterhandmuskukatur ausbilden können – sofern man diese trainiert. đŸ„°

Am Strand auf Öland

Damit sind Pudel und Pudelmixe wie ich dafĂŒr prĂ€destiniert, auf der Hinterhand zu stehen. Bei uns heißt das „BĂ€rli“.

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Trickdogging – Diener

Hier ist einer meiner Lieblingstricks. Den hab ich mir schon sehr frĂŒh ganz alleine beigebracht! Jedes Mal vorm Anleinen zum Gassigehen, muss ich mich ausgiebig strecken und rĂ€keln. Das hat Herrchen genutzt und immer wieder mit dem Kommando „Diener“ belegt.

Über mehrere Monate hinweg haben wir dann die Halte-Dauer ausgedehnt. Heute frĂŒh am Strand war das Licht so toll und die Ostseekulisse schrie geradezu nach einem Trickshooting 😊

P.S.: Falls Ihr das auch trainieren wollt, sagt Euren Zweibeinern bitte, dass das fĂŒr uns Hunde eine echt anstrengende Übung ist! Bitte unbedingt vorab gut aufwĂ€rmen, nur mit ausgewachsenen Hunden trainieren und in gaaanz kleinen Schritten die Halteposition verlĂ€ngern, sonst „Aua!“

Hundebegegnungen – „Sie hört halt nicht!“

Ein wundervoller, naturbelassener Campingplatz in Sachsen-Anhalt mit riesigem Hundestrand am Badesee. Es ist nicht viel los, auf der riesigen Campingwiese stehen etwa 10 Camper, davon fast alle mit Hunden. Die Stimmung ist entspannt, die Rezeption weit weg. Gleich vorne rechts eine Gruppe mit diversen Zelten und Fahrzeugen inkl. buntem Partyzelt, BierbÀnken, es erinnert im Aufbau etwas an eine kleine Wagenburg oder einen Wanderzirkus.

Zwischen den Autos steht dort eine gestromte Doggenmix-HĂŒndin ohne Leine und Halsband und beobachtet aufmerksam unsere Ankunft. Keiner der Bewohner nimmt davon Notiz. Frauchen und ich (angeleint) laufen in ca. 30 Meter (!) Abstand quer ĂŒber die Wiese vorbei.

Es kommt, wie es kommen muss … die HĂŒndin startet durch und steuert mit hohem Tempo und gesenktem Kopf direkt auf uns zu. Sie wirkt nicht sonderlich aggressiv, sondern eher ungestĂŒm-interessiert und hat offenbar von höflicher AnnĂ€herung auf hĂŒndische Art (langsam, dem GegenĂŒber Zeit lassen, Blick abwenden, Bogen laufen) noch nichts gehört.

Frauchens halbherziger Versuch, sie zu blocken, verpufft bereits im Ansatz. Sie macht meine Leine los, damit ich ungestörter kommunizieren kann. Mein fester direkter Blick lĂ€sst die große HĂŒndin bereits abbremsen, wir beschnuppern uns vorsichtig, drehen uns im Kreis. Ich habe kein großes Interesse, sie ist etwa in meinem Alter und offenbar fĂŒhrungslos -mindestens doppelt so groß und mein dreifaches Gewicht. Mit hĂ€ngender Rute und abgewendetem Blick verdecke ich meine Analregion und versuche, mich langsam zu entfernen.

Dieser Interessenkonflikt scheint die HĂŒndin zu ĂŒberfordern, zumal sie noch immer ohne UnterstĂŒtzung ihrer Menschen auskommen muss. Sie beginnt, mit mir herumzualbern (fiddle about). Ich merke, dass wir beide nicht auf Eskalation aus sind und so hopse ich Höflich ein wenig mit. Dabei bleibe ich im unmittelbaren Umfeld von Frauchen und versuche, die Energie des GegenĂŒbers möglichst zu senken. Sie lĂ€sst sich soweit sie kann darauf ein. đŸ‘đŸ» Alles klar!

Nach einigen Minuten kommt ein junger Mann zu uns herĂŒbergeschlurft, offenbar der Halter. Sein vorheriges Rufen verhallte ungehört. „Geht das in Ordnung mit den beiden?“, fragt er Frauchen und deutet auf unsere Interaktion. „Na ja“, meint diese, „mein Hund findet das nicht so toll! Sie braucht eigentlich keinen Kontakt zu fremden Hunden!“ Er schnappt sich daraufhin seinen Hund und zieht von dannen. „Komm mit, die möchte ihre Ruhe!“, höre ich ihn noch sagen. Chapeau!

Zwei Stunden spielen Frauchen und ich auf der Wiese Fußball. Innerhalb von Sekunden steht die Dogge erneut bei uns – lief offenbar unangeleint in der Wagenburg herum. Das geht nun doch zu weit – mein Rudel, mein Ball, mein Spiel! Da hört jetzt die Höflichkeit auf. Bevor Frauchen reagieren kann, spritze ich auf sie zu, bremse sie ein und schnappe sie kurz an der Schulter ab: „Schleich dich!“ Sie dreht sofort ab, startet allerdings einen zweiten Versuch von der anderen Seite. Das gleiche Spiel nochmal von vorn, diesmal mit UnterstĂŒtzung von Frauchen, die sie ebenfalls blockt. Super Teamarbeit! Die HĂŒndin ist schwer beeindruckt, klemmt die Rute bis zum Bauch, der RĂŒcken ist gekrĂŒmmt. Mit gesenktem Kopf und nach hinten geklappten Ohren entfernt sie sich zĂŒgig von unserem Stellplatz. Stur oder schwer von Kappee ist sie schon mal nicht 😂

Der Besitzer ist diesmal wesentlich schneller zur Stelle und hat die Szene beobachtet. Frauchen lobt seine HĂŒndin, weil diese sofort kapiert hat, dass das nicht geht und uns sofort ihren Respekt zollt. „Ja“, meint der junge Mann, „das macht sie wirklich gut! Aber sie hört halt nicht!“ 🙈 Mit diesen Worten trollt er sich hinter seinem Hund hinterher, der lĂ€ngst kleinlaut zwischen den Zelten verschwunden war.

Was soll man dazu sagen? Ein junger Hund, der klare Ansagen nicht nur sofort versteht, sondern auch sofort befolgt, soll nicht hören können? Oder liegt der Ball beim Halter, der sich nicht klar ausdrĂŒcken kann, bzw. sich nicht die MĂŒhe macht, mit seinem Hund zu arbeiten? Sehr schade! Das Gehör und der Verstand der HĂŒndin sind jedenfalls funktionstĂŒchtig!

Fun-Agility mit Aussiedoodle

Seit etwas ĂŒber 1,5 Jahren gehen wir – mehr oder weniger regelmĂ€ĂŸig zum Agility-Training. Was zunĂ€chst nur als ein weiteres Element zur Bindungsarbeit und der Kommunikation auf Distanz gedacht war, mutiert langsam zur gemeinsamen Leidenschaft. đŸ„°đŸŽ‰đŸ„° Ich bin megastolz und total ĂŒberrascht, was wir inzwischen erreicht haben! Und Paula macht das soooo klasse! Wir haben beide einen riesigen Spaß dabei!

Treibball – der neue Trendsport?

Wir sind beide grundsĂ€tzlich sehr neugierig und schauen uns gern immer mal verschiedenes HundeaktivitĂ€ten und -BeschĂ€ftigungen an. Über Treibball hatte Frauchen hier und da mal einen Artikel gelesen. Wir wollten herausfinden, was das eigentlich ist, wie genau dieser Trendsport funktioniert und ob uns das Freude macht. Die Videos von Anja Jakob und ihren Border-Buben (bei diversen Turnieren) sahen jedenfalls nach viel Spaß und Action aus! Und dafĂŒr bin ich ja immer zu haben!

Anja Jakob mit ihren vier Border-Buben: Malouk, Merlin, Milino und Malibu
FĂŒr Treibball braucht man viele bunte Materialien – da kommt Farbe in Training!

Grundkommandos – die Basics fĂŒr Einsteiger

ZunĂ€chst belegten wir einen viertĂ€gigen (kostenlosen) Online-Schnupperkurs bei Anja. Schritt fĂŒr Schritt erarbeiteten wir uns dabei die essentiellen Grundkommandos „Touch“, „Stups“, „Warte“ und „Schieb“. Das erste Etappen-Ziel bestand darin, auf Kommando (und erst dann!) mit der Nase einen Gegenstand von einem Karton herunter zu stupsen („Stups“): einen Plastikbecher, einen SchaumstoffwĂŒrfel, ein kleines Zugspielzeug auf Rollen und schließlich einen kleinen Ball. Sobald ich mehrmals hintereinander Stupsen muss, heißt das Kommando schon „Schieb“.

Das Grundkommando „Stups“ – von einem Hocker, Karton oder einer Trittstufe. Wie Ihr seht, fĂ€llt es mir echt schwer, die Flossen aus dem Spiel zu lassen 🙈

Im nĂ€chsten Schritt schob ich eine TĂŒr zu – da musste ich mehrmals und deutlich krĂ€ftiger drĂŒcken mit meinem zarten NĂ€schen („Schieb“). Nach vier Tagen schaffte ich es tatsĂ€chlich, einen kleinen Gymnastikball ĂŒber ein paar Zentimeter zu Frauchen hinzuschieben. FĂŒr mich als Pudelmix und begabte „Pfötlerin“ war es superschwer, dabei meine Pfoten aus dem Spiel zu lassen und nur mit Nase oder Brust zu arbeiten. Ich war zwar mit Eifer dabei – schließlich gabs dabei jede Menge Leckerli und Frauchens Lob zu gewinnen – aber so richtig spaßig fand ich das an sich noch nicht 
 Wo blieb eigentlich das Tempo und die Action, die man mir versprochen hatte?

Immer diese  Impulskontrolle und Warterei 🙁

Treibball-Workshop – ein zweiter Anlauf

Über Winter ruhten unsere die Treibball-Übungen, es fehlte ein wenig an Motivation. Als Anja im FrĂŒhjahr 2019 einen Tages-Workshop Treibball in der NĂ€he von MĂŒnchen (Hundeschule Happy Hand) anbot, war das ein willkommener Anlass, das Training wieder aufzunehmen. Der Materialhaufen am Eingang und der große Platz sahen ja schon sehr vielversprechend aus! Zur Sicherheit hatte ich meinen Kumpel Baloo mitgenommen – so hĂ€tte ich fĂŒr den Notfall UnterstĂŒtzung, um den Laden bissl aufzumischen 😂.

Kreatives Treibball-Training ist materialintensiv.
Anja erklÀrt den Ablauf und zeigt tolle ErgÀnzungsmöglichkeiten auf.

Die Gruppe war sehr bunt gemischt, vom blutigen AnfĂ€nger bis zum leidenschaftlichen Treibball-Freak mit Spezialthemen – alle Kompetenzstufen waren vertreten. Baloo und ich waren in einem guten Mittelfeld. Zu den bereits bekannten Grundkommandos kamen nun weitere Basics hinzu: Anker, Target (oder Touch) und das Umrunden von GegenstĂ€nden.

Die Ankerposition – gegenĂŒber dem HundefĂŒhrer hinter einem Gegenstand stehen oder sitzen
Target – mit zwei Pfoten auf einem Platz ruhig (!) stehen bleiben: erst auf dem Hocker, spĂ€ter auf einer Targetscheibe.
„Rum“ oder „Round“ oder „Circle“ – Umkreisen eines Gegenstandes
Und immer wieder Impulskontrolle mit „Warte“ – das war echt hart!

Das Umrunden von GegenstĂ€nden in beiden Richtungen, das Ansteuern einer bestimmten Targetscheibe und das Einnehmen der Ankerposition hinter einer Tonne oder einem Ball gefiel mir schon seeehr gut. Da konnte ich in Bewegung sein und zeigen, wie reaktionsschnell ich bin – zumindest wenn ich will! Außerdem bekam das Training so sehr viel mehr Abwechslung, da wir die unterschiedlichen Übungen und Aufgaben immer wieder anders kombinierten und abwechselten. Das war so ganz nach unserem Geschmack!

Training mit BĂ€llen in verschiedenen GrĂ¶ĂŸen und Farben

Nach der Mittagspause ging es endlich an die BĂ€lle! Das Lenken dieser riesigen Dinger ist nochmal eine eigene Disziplin, deshalb wird mit einer Begrenzung in Form einer Gasse begonnen. Seht selbst, wieviel Spaß das macht!

Warten in der Ankerposition – Frauchen steht am anderen Ende und gibt das Ziel vor.
Auf „Schieb!“ gehts los!
Na los, du störrisches Teil, nu mach schon voran!
Geschafft! Boah, was bin ich stolz!

Jeder Hund hat so seine eigene Treibtechnik – mit der Nase, mit der Brust, mit der Stirn, etc…. ich bin da erst mal noch ganz vorsichtig! Mein Kumpel Baloo hingegen hat sich als echter Ballrambo geoutet und schubste das Teil mit einem Schwung gleich fast nen Meter weit! 🙈 Aber der ist ja auch ein ganzes StĂŒck grĂ¶ĂŸer und stĂ€rker als ich!

Baloo, der Ballprofi

Es hat uns wirklich unglaublich viel Spaß gemacht mit all den vielen bunten Materialien zu arbeiten! Wer also die MĂŒhen der Basisarbeit nicht scheut und ein abwechslungsreiches Training schĂ€tzt, dem kann ich Treibball wirklich wĂ€rmstens empfehlen! Man kann es sogar im Winter auf Schnee spielen und wunderbar mir Longieren, Agility oder Tricktraining verbinden. Hier ein paar EindrĂŒcke vom Training der Fortgeschrittenen.

Das sieht schon sehr professionell aus. Mein DoppelgĂ€nger war ein deutlich erfahrenerer Treibballer 😉
HĂŒrdenlauf mit Gasse, die zusĂ€tzliche Barrieren beinhaltet. Im Hintergrund eine Gasse mit Kurve, zum Lenken ĂŒben.
Die Kollegin hier braucht keine Gasse mehr, sondern steuert den Ball eigenstÀndig zu ihrem Frauchen.
Auch mit Artistik lĂ€sst sich Treibballtraining verbinden 😍
Der Abschluss eines tollen, abwechslungs- und lehrreichen Tages – wie man erkennt, gibt es keinerlei BeschrĂ€nkungen hinsichtlich GrĂ¶ĂŸe, Alter, Rasse oder Fitnesslevel der Teilnehmenden!

Der VollstĂ€ndigkeit halber sei noch erwĂ€hnt, dass wir kreatives Treibball gemacht haben. Beim klassischen Treibball auf Turnierebene geht es darum, dass der Hund 8 BĂ€lle innerhalb kurzer Zeit ĂŒber eine bestimmte Distanz in ein Tor treibt. Der HundefĂŒhrer steht im Ziel und gibt verbale und körpersprachliche Anweisungen und feuert ihn natĂŒrlich krĂ€ftig an! Das Eine schließt jedoch das Andere keinesfalls aus! Anja hat ein schönes Video gemacht, das die große Vielfalt von Treibball und die unterschiedlichen Vorteile fĂŒr das Team zusammenfasst. Na wenn das keine Lust macht! Was meint Ihr?

Aussiedoodle, Jagdinstinkt und Impulskontrolle

Genetische Disposition des Aussiedoodle 

Der Australian Shepherd ist ein HĂŒtehund. HĂŒtehunde reagieren auf jegliche Art von Bewegungsreizen -schließlich mĂŒssen sie die Bewegung einer Herde oder einzelner Tiere steuern und kontrollieren. Er ist zudem wachsam und es entgeht ihm nichts. Ăœber viele Generationen wurde diese Veranlagung zĂŒchterisch selektiert und genetisch herausgearbeitet.

Der Pudel gilt heute zwar vorrangig als intelligenter Gesellschafts- und Begleithund, wurde ursprĂŒnglich aber fĂŒr die Wasserjagd gezĂŒchtet (Enten, GĂ€nse). Daher stammt auch die sogenannte Löwenschur: Hinterhand und Becken kahl geschorenen, damit das Fell beim Schwimmen nicht stört, Brust und Kopf mit dichter MĂ€hne, um Herz und Lunge vor KĂ€lte zu schĂŒtzen. 

Die Löwenschur war bis in die 1980er Jahre Standard auf Ausstellungen

Der Aussiedoodle ist somit ein Mix aus HĂŒte- und Jagdhund und prĂ€destiniert dafĂŒr, auf schnelle Bewegungsreize zu reagieren. Das gilt fĂŒr fliegende BlĂ€tter, Vögel und Wildtiere ebenso wie fĂŒr rennende Kinder, Jogger, Autos und Fahrradfahrer. Woher auch sollte der Hund das unterscheiden können? Alles bewegt sich schnell und von ihm weg – also nix wie hinterher!

Rennen ist eine seiner LieblingsbeschÀftigung und ein Aussiedoodle kann sehr schnell sein!

Sozialisation und Erziehung zur Impulskontrolle

Meist finden wir es bei Welpen recht putzig und herzallerliebst, wenn dieser einem fliegenden Papierfetzen oder dem Herbstlaub hinterherflitzt. Ebenso beliebt sind Wurf- und Ballspiele – je weiter, desto besser (die Spielzeugindustrie bietet hier auch fĂŒr mĂ€ĂŸig begabte Werfer hinreichend UnterstĂŒtzung durch verschiedene Schleuder- oder Wurfmethoden). So lernt der Hund von klein an: es macht unglaublich viel Spaß, von meinem Menschen wegzulaufen und wenn etwas sich schnell von mir wegbewegt (und dann auch noch hĂŒpft und springt), dann soll/muss/darf ich hinterher. Und das macht einfach irre viel Spaß, ist somit selbstbelohnend! Und der Aussiedoodle lernt extrem schnell!

Woher soll ein (junger) Hund den Unterschied zwischen einem fliegenden Ball und einem davonfliegenden Vogel, einem hĂŒpfenden Ball und einem Haken schlagenden Hasen, einem ausbrechenden Schaf aus der Herde oder einem vorbeirennenden Kind erkennen? Aus Hundesicht ist das alles gleich!

Wer als persönliches Ziel einen entspannten, nicht-jagenden erwachsenen Vierbeiner vor Augen hat, tut gut daran, vom ersten Tag an darauf hinzuarbeiten, dass sein Aussiedoodle-Welpe Bewegungsreize auszuhalten lernt, nicht reflexartig darauf reagiert und ihr gemeinsam und gezielt seine Impulskontrolle trainiert.

TĂ€gliche Impulskontrolle im Zusammenleben mit einer Katze, die eher flieht als angreift.

Wie lĂ€sst sich das praktisch umsetzen? Man sollte seinen Aussiedoodle vom ersten Tag an mit Bewegungsreizen konfrontieren – jedoch immer sicherstellen, dass er dem Reiz nicht hinterher kann. Bei uns war das im Zusammenleben mit einer Katze unabdingbar – im Zweifel wurde der Hund auch mal mit einer Hausleine gesichert! Zudem sind wir gezielt an KindergĂ€rten, Schulhöfen und SpielplĂ€tzen vorbeigelaufen – immer an der Leine und mit so viel Abstand, dass sie alles genau beobachten konnte, bei uns aber stets Ruhe und Sicherheit fand. Mit der Zeit können die Entfernungen reduziert werden. Wichtig ist, dass der Welpe genug Zeit zur Reizverarbeitung bekommt. Je aufgeregter er ist, desto mehr Ruhe von seinem Menschen ist nötig und desto lĂ€nger die Verarbeitungszeit.

Gezielte Begegnung mit SchwÀnen ohne Jagd- oder Hetzerfolg (Welpenalter)

Bei uns gehörte die tĂ€gliche Sichtung von Enten, Möwen, GĂ€nsen und SchwĂ€nen am See (gesichert an der Leine) zum Alltag. Zudem haben wir jede Gelegenheit gesucht, sie mit anderen Tieren und neuen Situationen in Kontakt zu bringen – ein Besuch auf dem Bauernhof etwa, oder im Urlaub auch mal ein Alpaka.

Alpakas am Urlaubsort – große Neugier auf beiden Seiten

Entspanntes gemeinsames Beobachten ist ausdrĂŒcklich erwĂŒnscht, jede Art von visueller Fixierung, Muskelanspannung, Anschleichen, Losspringen etc. wird allerdings mit einem eindeutigen Abbruchsignal im Keim erstickt. No way! Not your job! Erst wenn er gar nicht mehr auf den Reiz reagiert, darf der Hund von der Leine. So gibt es erst gar keine Chance auf eine selbstbelohnende Jagderfahrung.

Aktive FĂŒhrung im Alltag

Ein zweiter, wichtiger Aspekt zur Kontrolle des Jagdtriebes ist die aktive FĂŒhrung des Hundes durch den Menschen. Dazu werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag schreiben. Beim Thema Jagd ist dies insofern bedeutsam, da in intakten sozialen Gemeinschaften stets der Höherrangige die Entscheidung zum Jagen trifft. In einem wild lebenden Rudel wĂ€re dies die LeithĂŒndin. Keiner der rangniedrigeren Mitglieder kĂ€me auf die Idee, einfach loszustĂŒrmen. Der Erfolg einer Jagd und damit das Wohl der Gruppe ist abhĂ€ngig von Erfahrung und den richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit. Ein junger Hund hat diese keinesfalls.

Hier ĂŒben Kinder, stehenzubleiben, wenn ein Hund kommt. Paula darf (auf Kommando) die Kinder „fangen“

Ausgleich: Teamarbeit

Der Aussiedoodle ist zweifelsohne sehr agil, arbeitswillig und intelligent. Wenn wir ihm auf der einen Seite seine Impulse kontrollieren, braucht er an anderer Stelle einen Ausgleich. Dazu eignet sich etwa gezieltes Dummytraining. Dabei lernt der Hund nicht nur Impulskontrolle, sondern auch die Kooperation mit seinem Menschen. Wir beide haben dabei jedenfalls sehr viel Spaß.

Freies Dummytraining unterwegs – Dummy verstecken und zurĂŒckbringen oder auch werfen und erst auf Kommando apportieren.

Trainingsziel: Entspannter Alltag mit Hund

Wenn man diese drei großen ZusammenhĂ€nge – Impulskontrolle, FĂŒhrung,Teamarbeit – bei der Sozialisation und Erziehung seines Aussiedoodles im Hinterkopf behĂ€lt, sollte unerwĂŒnschtes Jagdverhalten kein Problem sein. Wie das bei uns heute aussieht, sehr Ihr in folgendem Video.

Wildbegegnung am See

Sehr gut zu erkennen ist die zwar aufmerksame Körperhaltung und das mehrfache visuelle „Abfragen“ bei mir, ob wir nun jagen oder nicht. Insgesamt ist Paula aber recht entspannt und hat zu keiner Zeit den Impuls, sich den GĂ€nsen zu nĂ€hern.

Auf einem unserer letzten SpaziergĂ€nge lief Paula etwa 10 m hinter mir ohne Leine, als plötzlich wie aus dem Nichts vier kleine Kinder (ca. 5 Jahre) von der Seite aus einer Einfahrt auf sie zu rannten. Diese spielten Fangen und hatten den Hund gar nicht wahrgenommen. Nach der ersten Schrecksekunde reagierte ich umgehend mit meinem scharfen „Lass das!“ – die Kids waren ca. noch 5 m entfernt. Und Paula wendete sich einfach ab und kam zu mir! Das hat selbst mich total ĂŒberrascht đŸ‘đŸ»đŸŽ‰đŸ‘đŸ»

Wer jetzt allerdings glaubt, bei seinem erwachsenen Hund kann er eh nichts mehr machen, der irrt gewaltig! Unsere Hunde leben im Hier und Jetzt! Sie akzeptieren auch neue Regeln sofern diese klar und ĂŒberzeugend eingefĂŒhrt und nachgehalten werden. Der Weg kann allerdings etwas lĂ€nger dauern – je nach Persönlichkeit des Hundes. Bleibt dran, es lohnt sich!

Wir sind in der Zeitung 🙈

Vor einiger Zeit wurde Frauchen interviewt zum Thema Therapiehund vom ZĂŒchter. Nun ist der Artikel erschienen in der Mai/Juni-Ausgabe von Dogs & Jobs 😊 sogar mit Hinweis auf unseren Blog đŸ„° Vielen Dank an Sylvia Olschinsky â™„ïžđŸ™đŸ»â™„ïž

Den vollstÀndigen Artikel und weitere Infos findet Ihr hier: Dogs & Jobs.

Die Zeitschrift erscheint zweimonatlich ausschließlich online und kostet 40,- € pro Jahr – fĂŒr uns eine lohnende Investition, da wir viel rund um den Einsatz von Hunden in Therapie und PĂ€dagogik lernen.

GĂŒnther Bloch: Mein Hundewissen

Lesetipp fĂŒr Hundemenschen ( Folge 1)

Wie ich zum Hundemenschen wurde und was Sie daraus lernen können, GrĂ€fe und Unzer, 2019, 192 Seiten, 19,99 € (eBook 15,99 €)

Bislang habe ich zwar erst ein gutes Drittel des Buches gelesen, bin aber schon jetzt sehr angetan. In den letzten 15 Jahren habe ich einige BĂŒcher des Hundeexperten verschlungen. Aus jedem einzelnen habe ich fĂŒr mich etwas mitgenommen. Dieses ist insofern besonders, da es wohl sein persönlichstes Buch ist. Es schildert schonungslos ehrlich und durchaus selbstkritisch seinen eigenen, ganz persönlichen Weg zum Hundemenschen: Vom musikbegeisterten, antiautoritĂ€ren Bewohner einer WG mit mehreren Hunden ĂŒber seine Zeit als GassigĂ€nger (heute Dogwalker) bis zum anerkannten praktischen Verhaltensforscher. Dabei spart er nicht an dem ihm eigenen Sarkasmus im Hinblick auf die verschiedenen Trends und Methoden der Hundeerziehung.

Die LektĂŒre war fĂŒr mich eine absolute Wohltat, bringt er doch mit den Worten von F. Sinatra wunderbar auf den Punkt, was wichtig ist: I did it my way!
Ein Mutmachbuch fĂŒr alle, die ein gutes BauchgefĂŒhl und Empathie fĂŒr Hunde und deren Welt haben oder erwerben wollen! Es ist kein Erziehungsratgeber, keine wissenschaftliche Abhandlung, keine theoretische Abhandlung und dennoch voller wunderbarer, fachkompetenter Erkenntnisse des erfahrenen Kynologen. Er selbst nennt es „Leitfaden fĂŒr ein zufriedenes Miteinander von Mensch und Hund“! Eine durchaus kurzweilige und unterhaltsame LektĂŒre – ideal fĂŒr den Nachttisch oder die Urlaubsreise!

Folgende Zitate zeigen die fĂŒr mich wichtige Essenz der Bloch’schen Perspektive und Fachkompetenz.

Erziehungs-, Schulungs- und Ausbildungsmethoden

Es geht Bloch keineswegs darum, die eine gegen die andere Erziehungsmethode ideologisch abzugrenzen oder zu verteidigen, sondern vielmehr darum, was fĂŒr den Hund das Beste ist und nachhaltigen Erfolg verspricht.

Fern jeglicher Facharroganz oder nerviger Klugscheißerei dĂŒrfte es eigentlich jedem in der Hundeszene klar sein, dass weder ein ĂŒberzogenes DominanzverstĂ€ndnis noch ein ĂŒbertriebenes Waldorfschule-Ponyhof-Gehabe viel mit dem wirklichen Leben zu tun hat.

Wunschdenken kann im Zusammenleben mit Hunden kein Ersatz fĂŒr eine dringend notwendige Mischung aus sozialer Kompetenz, Wissen und Menschlichkeit sein. Ohne bewussten Verzicht auf oben benannte Extreme ist wahre Problemlösung nicht möglich.

Wer als Mensch sein Verhalten nicht Àndern will,
wird auch das Verhalten des Hundes nicht Àndern

Soziale Grundordnung mit flexiblen Rahmenbedingungen

Unsere Haushunde brauchen ein soziales GruppengefĂŒge, mit Struktur und klaren Regeln – als Gegenmodell zu Drama und Hysterie und die vermeintliche Wahrheit (….) Gruppenregeln sind dazu da, gemeinschaftliches Leben ertrĂ€glich zu gestalten, ohne Heiteitei oder Gewalt.

Klare Richtlinien, Positionen und Ansagen – Hunde erwarten menschlichen FĂŒhrungsanspruch.

Wir Menschen mĂŒssen unseren Hunden beweisen, dass wir unser eigenes Leben auf die Reihe kriegen. Dann nĂ€mlich und nur dann, haben wir etwas Substanzielles mitzuteilen: natĂŒrliche AutoritĂ€t und FĂŒhrung bei der gemeinsamen Lebensgestaltung.

Hundegruppen / Rudelhaltung

Artgerecht fĂŒr den Hund ist es, eng mit dem Menschen zusammen zu leben … Wenn du eine Gruppe fĂŒhrst, wenn du die Verantwortung dafĂŒr trĂ€gst, musst du fĂŒr Klarheit sorgen. In allen Lebenslagen. Das geht nur mit einer Mischung aus selbstsicherem Auftreten und Lockerheit. Ach ja, ohne GlĂŒcklichsein geht auch nichts.